40 Jahre Tschernobyl – Verantwortung lässt sich nicht abschieben
Die katholische Kirche in Österreich erinnert anlässlich des 40. Jahrestages der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl daran, dass das, was damals geschehen sei, bis heute fortwirke – in verseuchten Böden, unbewohnbaren Regionen und im Leben vieler Menschen. Dass selbst vier Jahrzehnte nach dem Reaktorunfall ganze Landstriche weiterhin kontaminiert und teilweise unbewohnbar seien, zeige, wie bedrohlich Atomenergie für die Schöpfung sein könne.
„Atomkraft ist keine enkeltaugliche Technologie“, ist Bischof Hermann Glettler überzeugt. Als neuer Referatsbischof für Umwelt in der österreichischen Bischofskonferenz betont er in seinem Statement zu „40 Jahre Tschernobyl“, dass ihn der aktuelle Hype um Atomkraft beunruhigt. „Die aktuellen Konflikte zeigen auch, dass Atomkraft zum Spielball der Kriegstreiber werden kann, wenn gedroht wird, Atomkraftwerke zur Zielscheibe von Angriffen zu machen.“ Dies hätte katastrophale Folgen für die Menschen, insbesondere in den umliegenden Gebieten, wie der Atomunfall in Tschernobyl gezeigt habe.
Besorgniserregend sei zudem, dass Atomenergie nicht nur ökologische, sondern auch friedensethische Fragen aufwerfe. „Die aktuellen geopolitischen Spannungen zeigen, wie verletzlich diese Form der Energieerzeugung ist“, warnt der Bischof. Wo Anlagen ein existenzielles Gefahrenpotenzial in sich tragen, seien es im Ernstfall immer Menschen, die den Preis zahlten – oft jene, die keinerlei Verantwortung für solche Entscheidungen tragen.
Plädoyer für eine verantwortungsvolle Klimapolitik
Der Sprecher der katholischen Umweltbeauftragten Markus Gerhartinger ergänzt: „Es mag sein, dass Atomkraft uns in der aktuellen CO2 Bilanz hilft, aber Klimaschutz ist viel mehr als das.“ Gerhartinger gibt zu bedenken, dass die Endlagerung bzw. Entsorgung des radioaktiven Materials Unsummen verschlingt und verschlingen wird und es keine zufriedenstellende sichere Lösung dafür gibt. „Wir schieben damit die Verantwortung und die Kosten auf die kommenden Generationen ab. Das ist für mich keine verantwortungsvolle Klimapolitik“, ärgert sich Gerhartinger über den Schwenk der EU unter Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die die Abkehr von der Atomkraft unlängst als strategischen Fehler bezeichnet hat. Gäbe es im Bereich der Atomkraft Kostenwahrheit und müsse der Betreiber für alle Kosten inkl. Entsorgung aufkommen, dann würde der Atomstrom längst schon als günstigere Alternative ausfallen, ist sich Gerhartinger sicher.
„Eine Technologie, deren Risiken und Abfälle über Generationen hinweg wirken, widerspricht dem Auftrag, das Leben zu schützen und das Gemeinwohl zu fördern. Tschernobyl bleibt ein Mahnmal dafür, dass Fortschritt nur mit Verantwortung möglich ist“, hält Bischof Glettler abschließend fest. Und der kirchliche Umweltbeauftragte, Markus Gerhartinger, ergänzt: Es gehe darum, Energie sinnvoll und klug zu nutzen, denn „die Energie, die wir nicht brauchen, ist die beste Energie“. Hier gibt es noch viel Einsparungspotential, bei jeder und jedem von uns, ist Gerhartinger überzeugt.
